IV. Mein religiöser Weg


Meinen religiösen Weg schildere ich in meiner Autobiographie:

Anthroposophie und Kirche, Erfahrungen eines Grenzgängers, 1996

Inhaltsverzeichnis unter VI.

In kurzer Zusammenfassung: Ich stamme aus dem liberalen Protestantismus, konnte mich jedoch mit der dort herrschenden "modernen Theologie" nicht anfreunden, die Auferstehung, Himmelfahrt und Geistsendung für "überholt" und "erledigt" erklärte (z.B. Bultmann: "Kein erwachsener Mensch glaubt so etwas noch im Ernst."). Man meinte, es gehe nur noch um die Frage, wie die Kirche ihre Fortexistenz trotzdem rechtfertigen könne, und diskutierte verschiedene Begründungsansätze, die das plausibel machen sollten. Mir waren sie allesamt unplausibel.


Den eindrucksvollsten Kontrapunkt dazu fand ich in den Werken Rudolf Steiners (1869-1925). Er hatte gezeigt, wie man die Methoden und Ergebnisse der modernen Wissenschaft bejahen und zugleich die von ihm so genannte "geistige Welt" ernst nehmen und Zugang zu ihr finden kann. Ich wurde 1960 aktives Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft, trat aber 1995 wieder aus. Ich suchte nach dem lebendigen Verkehr mit der "geistigen Welt".


Während der Zeit meiner Mitgliedschaft trat ich von der evangelischen zur katholischen Kirche über (1968). Mir waren zwar alle kritischen Vorbehalte gegen sie vertraut - ich habe sie ja selbst geteilt. Trotzdem fand ich in ihrer liturgischen und sakramentalen Wirklichkeit mehr Offenheit für die Wirklichkeit der "geistigen Welt", mehr Anbetung, Mystik und Frömmigkeit. Ich fand überraschenderweise auch mehr Toleranz. Ich habe mein Denken von vornherein offengelegt; der Bischof gab in voller Kenntnis meiner Ansichten die Einwilligung zu meiner Aufnahme.


Wenn ich auch in mancher Hinsicht ein "kritischer Katholik" bin, so halte ich doch die Entscheidung nach wie vor für richtig. Ich besuche regelmäßig die Messe, an den großen Festtagen übernehme ich mit Freude das Orgelspiel. Viele Menschen, denen ich in der Kirche begegnet bin - an der Basis, in Klöstern und Orden und auch in leitenden Ämtern - haben mir große Hochachtung abgenötigt.